Bayreuth/Festspiele: Meisterkurs Gesang der Bayreuther Festspiele 2018 mit Elena Pankratova - 18. August 2018

Hoffnungsvoller Wagner-Gesang

Elena Pankratova

Elena Pankratova

Im Rahmen der 107. Bayreuther Festspiele fand in diesem Jahr auch wieder ein beachtlicher Meisterkurs statt. Der von der Dozentin Prof. Elena Pankratova geleitete Meisterkurs Gesang der Bayreuther Festspiele 2018 erlebte sein Abschlusskonzert am 18. August im Großen Saal der Villa Wahnfried. Es war erstaunlich, welch hohes und teilweise selbst im Wagnerfach schon fortgeschrittenes Niveau die drei Sopranistinnen und ein Bariton aufwiesen.

Elena Pankratova sang ja dieses Jahr die Kundry und wird im kommenden auch die Ortrud verkörpern. Sie stammt aus Yekaterinburg und erhielt zunächst eine Ausbildung als Pianistin, Chordirigentin und Musikpädagogin. Ihr Diplom mit Auszeichnung als Opern- und Konzertsängerin sowie Gesangspädagogin erhielt sie am Staatlichen St. Petersburger Konservatorium Rimsky-Korsakov. Pankratova wurde die erste russische Sopranistin, die sich gleichermaßen im deutschen und italienischen dramatischen Fach international etabliert hat. Sie gibt auf der ganzen Welt Meisterklassen und Workshops in Gesang. Seit 2015 hat sie eine Gesangsprofessur an der Kunstuniversität in Graz.

Aleksanda Rybakova

Aleksanda Rybakova

Das Programm für die vier Sängerinnen und einen Sänger umfasste ausschließlich Wagner-Kompositionen bis auf den Monolog die Pierrot aus Korngolds “Die Tote Stadt“. Der bestens führende Korrepetitor Thomas-Michael Gribow spielte noch „Ein Albumblatt“ (In das Album der Fürstin Metternich), WWV 94.

Natalia Ushakova und Elena Pankratova, "Lohengrin", 2. Akt

Natalia Ushakova und Elena Pankratova, "Lohengrin", 2. Akt

Die erst 28jährige Russin Aleksandra Rybakova aus Saratow an der mittleren Wolga konnte mich mit ihrem kräftigen, ausdrucksstarken und in der Mittellage schön abgedunkelten Sopran am meisten überzeugen. Zudem verfügt sie über eine gute Technik und viel Resonanz. Die Stimme ist ein einziger Wohlklang und kommt mühelos in dramatische Höhen. Selbst in ihrem Monolog der Sieglinde „Der Männer Sippe saß hier im Saal…“ sang sie die kurze Höhe „…sühnte den alles…“ voll aus. Diese Stelle ist für mich einer der Gradmesser für die Qualität einer Sieglinde. Auch ihr „Du bist der Lenz“ gestaltete sie mit viel Ausdruck und stimmlicher Potenz, wie auch ihr abschließendes „Allmächt'ge Jungfrau, hör mein Flehen!“ aus „Tannhäuser“. Elena Rybakova ist ein ganz großes und hoffnungsvolles Nachwuchstalent, und sicher nicht nur für den Wagner-Gesang!

Schlussapplaus

Schlussapplaus

Auch die kanadische Sopranistin Sarah Maria Kramer beeindruckte gesanglich sehr. Ihre Solokonzerte wurden von schon der BBC, CBC/SRC (Kanada) und dem ORF ausgestrahlt. In der Saison 2017/2018 debütierte Kramer als Vitellia in „La Clemenza di Tito“ und als Agathe in „Der Freischütz“. Die kommende Konzertarbeit umfasst die Wesendonck-Lieder und Alban Bergs Sieben Frühe Lieder. Die Sängerin wird von Linda Watson betreut. Kramer sang mit beachtlicher stimmlicher Potenz und Höhensicherheit die Ballade der Senta aus dem „Fliegenden Holländer“ und ein gutes „Einsam in trüben Tagen“ aus dem „Lohengrin“. Ihre Interpretation der „Schmerzen“ aus den „Wesendonck-Liedern“ muss jedoch noch reifen.

Aleksanda Rybakova

Aleksanda Rybakova

Weniger überzeugen konnte die junge Russin Natalia Ushakova, die ebenfalls vom Rimsky-Korsakov-Konservatorium in St. Petersburg kommt. Im Rahmen eines Stipendiums singt sie am Grazer Opernstudio alle bedeutenden Mozart-Partien und setzt ihr Studium mit der Meisterklasse an der Hochschule für Musik in München und der Accademia di Perfezionamento des Teatro alla Scala fort. Sie gewann den 1. Preis bei zwei bedeutenden italienischen Gesangswettbewerben. Wenn man las, dass sie Rollen wie Violetta, Mimi und im „Zigeunerbaron“ singt, musste man sich fragen, warum sie gleich mit dem Monolog der Elisabeth aus „Tannhäuser“ „Dich, teure Halle“ begann, die ihr nicht zufriedenstellend gelang und dann auch noch mit dem „Hojotoho“ aus der „Walküre“ auftrat, welches für ihre Stimme einem Gewaltakt nahe zu kommen schien. Ushakova hatte erwartungsgemäß ihre besten Momente im Duett mit Elena Pankratova „Euch Lüften, die mein Klagen…“ aus „Lohengrin“, in der Pankratova im Übrigen ihre Qualitäten als Ortrud demonstrierte. Die „Entweihte(n) Götter!“ gingen unter die Haut, ganz anders wie bei der noch einmal als Ortrud in diesem Sommer auf dem Hügel erschienenen, sehr geschätzten Waltraud Meier, der die Stimmkraft für die dramatischen Höhen dieses Monologs und des abschließenden „Kehr heim!“ fehlte.

Hongyu Chen

Hongyu Chen

Schließlich ist noch von dem mongolischen Bariton Hongyu Chen zu berichten, der 2017 sein Konzertexamen an der HfM Saar abschloss und ein Masterstudium mit Auszeichnung an der Opernschule Mannheim bei Rudolf Piernay absolvierte. Sängerisch wird er von KS Eva Randová betreut. Er war auch schon Richard-Wagner-Stipendiat. Chen trat an der Frankfurter Oper, bei den Tiroler Festspielen, im Metz, Weimar und Nordhausen sowie an der Hamburger Kammeroper auf. Sein „Blick ich umher in diesem Kreise“ sowie sein „O du, mein holder Abendstern“ aus „Tannhäuser“ ließen gesanglich doch zu wünschen übrig. Das Timbre ist für diese Stücke zu rau, er hat auch zu wenig Resonanz, und es fehlt an sängerischer Leichtigkeit. Ganz anders war es beim Monolog „Mein Sehnen, mein Wähnen“ des Pierrot aus Korngolds „Die Tote Stadt“. Hier klang das Timbre besser, er erreichte auch mehr stimmlichen Ausdruck und zeigte eine gute Höhe. Am darstellerischen Ausdruck muss er weiter arbeiten, um mehr Glaubwürdigkeit zu erzielen. Technisch wäre auch noch einiges zu verbessern – er singt zu stark „vorn“. Vielleicht ist Wagner nicht gerade das, was er singen sollte.

Insgesamt eröffnete dieses Abschlusskonzert des Meisterkurses von Elena Pankratova aber einen guten Einblick in das beachtliche Potenzial der zukünftigen Sängerzunft.

Fotos: Klaus Billand

Klaus Billand

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