BERLIN/Delphi Filmpalast: ColónRing - Dokumentation der DW - Premiere 14. April 2013

Poster des Events

Poster des Events

Im November 2012 wurde durch Vermittlung von Transopera SRL am legendären Teatro Colón in der argentinischen Metropole Buenos Aires die vom Hamburger Pianisten Cord Garben erstellte Kurzfassung von Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ aus der Taufe gehoben. Der Rezensent berichtete an dieser Stelle ausführlich über die Premiere und die einzige Reprise unter der musikalischen Leitung des Wiener Maestro Roberto Paternostro. Die Deutsche Welle (DW) hatte schon Monate vor der Premiere in Kooperation mit Bernhard Fleischer Moving Images (BFMI) und in Zusammenarbeit mit dem Teatro Colón eine Filmdokumentation begonnen, vornehmlich motiviert durch die Tatsache, dass die Bayreuther Co-Festspielleiterin Katharina Wagner, die dieses ungewöhnliche Projekt für sich damals als sehr spannend bezeichnete, die Regie übernommen hatte. Recht kurz vor der Premiere, de facto, sechs Wochen davor, lösten das Teatro Colón und Katharina Wagner aus verschiedenen Gründen ihren Vertrag. Nach Wagners Abreise am 16. Oktober wurde umgehend Valentina Carrasco, eine Mitarbeiterin der bekannten katalanischen Theatertruppe La Fura dels Baus in Barcelona, von Generaldirektor Pedro Pablo García Caffi mit der Regie des ColónRing betraut. Sie hatte schon in der laufenden Saison mit einer anderen Inszenierung am Colón großen Erfolg. Die Filmdokumentation war zu diesem Zeitpunkt natürlich weit fortgeschritten und wurde trotz des Regiewechsels zu Ende geführt.

Cord Garben

Cord Garben

Nun wurde sie von der DW im legendären Delphi Filmpalast der Presse und geladenen Gästen vorgestellt. Eine Reihe von SängerInnen des ColónRing hatte sich eingefunden, wie Linda Watson, Marion Ammann, Susanne Geb, Gary Jankowski und andere. Auch Pedro Pablo García Caffi war gekommen, mit der damaligen Projektleiterin Cecilia Scalisi sowie der Kostümbildnerin Nidia Tusal. Natürlich waren auch Valentina Carrasco aus Barcelona, Cord Garben aus Hamburg und Roberto Pasternostro aus Wien da. Die Protagonisten wurden von der kompetent moderierenden Meike Krüger von der DW um Kommentare zur Entstehung und Aufführung des ColónRing gebeten.

Das Team des ColónRing

Das Team des ColónRing

Diese Dokumentation ist großartig gelungen, und man muss dem Film-Team unter Führung des Projektleiters der DW, Rolf Rische, aber besonders dem Filmregisseur Hans Christoph von Bock ein großes Kompliment für eine so nah wie eben möglich an der nicht immer ganz leicht zu erkennenden Realität orientierte Arbeit aussprechen. Die Dokumentation geht detailliert auf die Umstände und Begründungen ein, die zum Ausstieg Katharina Wagners aus der Produktion führten – wichtige Szenen dazu sind sogar in Live-Mitschnitten zu sehen. Einige KünstlerInnen kommen zu den Umständen zu Wort, u.a. Linda Watson, Marion Ammann und Jukka Rasilainen, natürlich auch Caffi und Paternostro. Er kommentiert auch die zunächst nicht zu größter Zufriedenheit ausfallenden Proben mit den beiden Orchestern des Colón, die diesen gekürzten, aber an einem Stück äußerst langen „Ring“ von durchgehend 7,5 Stunden mit Pausen musizierten. Geschickt und unterhaltsam wird der Fortgang der Arbeit an den Bühnenbildern und der Proben dokumentiert und dramaturgisch immer wieder spannend mit Szenenausschnitten der beiden Aufführungen gemischt. Der Bildschnitt ist schlicht erstklassig. Auch der gerade bei einer Opernaufzeichnung so wichtige Sound Track ist hervorragend. Man meint bisweilen, im Colón selbst zu sitzen…

Produktionsteam und SängerInnen

Produktionsteam und SängerInnen

Die 93 Minuten vergingen für das voll besetzte Auditorium des Delphi Filmpalastes wie im Fluge, und es gab auch hie und da ein allgemeines Schmunzeln auf Kommentare, bei denen man zwischen den Zeilen lesen musste – und auch konnte… Jedem Freund des Wagnerschen Oeuvres sei diese Doku wärmstens empfohlen, und man muss nicht dabei gewesen zu sein, um sich hier trefflich zu unterhalten. Sie gewährt interessante Einblicke in die Entstehung einer einzigartigen, aber in Teilen auch experimentellen Produktion des „Ring des Nibelungen“, welche die auch andernorts bereits begonnenen Überlegungen zu Kurzfassungen der Tetralogie weiter beflügeln wird. Im Oktober geht es damit schon in Dijon weiter, und im Dezember ist eine Kurzfassung im chinesischen Tianjin geplant.

Die DW zeigt die Doku in zwei Teilen am 11. und 18. Mai 2013 auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch – weltweit. C Major Entertainment veröffentlicht den Dokumentarfilm und die Opernaufzeichnung auf DVD und Blu-ray Disc im Mai 2013. Der Dokumentarfilm kann bereits seit dem 14. April im Delphi Filmpalast Berlin erworben werden.

(www.dw.de/wagner200/colonring).

Fotos: Klaus Billand

Klaus Billand

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